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Leber-bedingte Kopfschmerzen - chinesisch erklärt….

Die Leber steht eng mit der Funktion der Gallenblase im Zusammenhang. Die Gallenblase nimmt, die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit auf, speichert sie und leitet sie für die Fettverdauung in den Dünndarm weiter.

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind Leber und Gallenblase nicht voneinander zu trennen. Sie bilden als Yin- und Yang-Organ einen Funktionskreis.


Yin und Yang - ein Lebensprinzip

Yin und Yang sind in der TCM ein grundlegendes Prinzip, welches die Dualität und Polarität in der Natur und allen Lebens repräsentiert.

Yin steht für das weibliche, kühle, ruhige und nährende Prinzip. Die Leber wird traditionell mit Yin in Verbindung gebracht, da sie die Fähigkeit hat, Blut zu speichern und den Körper mit Nährstoffen zu versorgen.

Yang repräsentiert das männliche, aktive, warme und bewegliche Prinzip. Die Gallenblase wird mit Yang assoziiert, da sie die Gallenflüssigkeit verteilt. Die Galle ist für die Verdauung von Fett notwendig ist, und somit ist die Gallenblase aktiv am Prozess der Nährstoffaufnahme beteiligt ist.

Die TCM zielt immer darauf ab ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang herzustellen, da es für die Aufrechterhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden entscheidend ist. Störungen in diesem Gleichgewicht können zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen.


Lebensenergie Qi

Anders als in der westlichen Medizin basiert die fernöstliche Medizin auf dem Konzept des energetischen Qi-Flusses im Körper. Qi wird in der TCM als die vitale Lebensenergie verstanden, die durch den gesamten Körper fließt und entlang von Energieleitbahnen, den sogenannten Meridianen gelenkt wird und alle Organe versorgt. Gerät dieser Energiefluss aus dem Gleichgewicht, kann es zu seelischen, geistigen und körperlichen Symptomen kommen.

 

In diesem Kontext spielt die Leber eine entscheidende Rolle, da sie den reibungslosen Fluss von Qi sicherstellt und als Modulator des energetischen Systems agiert. Die Leber reguliert nicht nur den Qi-Fluss nach oben, sondern unterstützt auch das Aufsteigen des Milz-Qi und das Absteigen des Magen-Qi. Darüber hinaus stimuliert die Leber die Gallesekretion und sorgt damit für einen harmonischen Qi-Fluss im Darm und sorgt außerdem für die fließende Energie in der Gebärmutter.

Daneben hat die Leber laut Prinzipien der TCM die Aufgabe, das Blut zu speichern und seine Verteilung zu regulieren, die Flexibilität von Sehnen und Bändern zu beeinflussen, Emotionen wie Wut zu steuern, den Menstruationszyklus zu regulieren, die Entgiftung und Reinigung des Körpers zu unterstützen sowie einen Einfluss auf die Augen-Gesundheit auszuüben. Ein ausgeglichenes Leber-Qi und damit eine gute Leber-Funktion ist somit entscheidend für die Gesundheit und Harmonie im gesamten Organismus.

 

Was schädigt die Leber?

Nach TCM-Ansicht kann die Leber durch emotionale Belastungen wie übermäßigen Ärger und anhaltende Frustration, ungesunde Ernährung mit einem übermäßigen Konsum an fettigen, frittierten und verarbeiteten Lebensmitteln, unregelmäßiges Essen, übermäßiges Essen in der Nacht oder zu viel Rohkost, einen generell ungünstigen Lebensstil mit Schlafmangel, Stress und einem Mangel an körperlicher Bewegung beeinträchtigt werden. Der Kontakt mit toxischen Substanzen wie Umweltgifte, Chemikalien, Schadstoffe und verschiedene Medikamente kann die Leber überlasten und ihre Entgiftungsfunktion beeinträchtigen. Auch ungesunde Gewohnheiten wie Rauchen und Alkoholgenuss und übermäßiger Kaffeekonsum können sich ebenfalls negativ auswirken.

 

Leber-Qi-Stagnation

Bei der Fülle an Aufgaben, die die Leber übernimmt, ist es nicht verwunderlich, dass Störungen in der Leberfunktion bzw. im Leber-Qi-Fluss, Auswirkungen auf den gesamten Körper haben können. Eine Stagnation (=Stau) im Leber-Qi Fluss kann sich z.B. durch depressive Stimmung, Schlafstörungen, Erschöpfung, Müdigkeit, Reizbarkeit, Frustration, Zorn, Ärger, cholerisches Verhalten, aufgeblähten Bauch, Aufstoßen, Druck- und Spannungsschmerzen im Brustbereich oder Bauchbereich, Augenproblemen, Magenknurren, Übelkeit, Reizdarm-Syndrom, Gallensteine oder Gallenblasenentzündungen, Schwindel, Tinnitus, Schwerhörigkeit oder Kopfschmerzen äußern.

Zum Teil ist die Vielseitigkeit der Symptome mit dem Verlauf des Leber-Meridians selbst zu erklären, da er vor allem über die Innenseiten der Beine in den Bauchraum zieht und dort die Bauchorgane mit Energie versorgt. Stockt der Energiefluss, sind die Organe unterversorgt und können ihre Funktionen nicht mehr optimal ausführen. Zum anderen ist die Verknüpfung der Leber zu anderen Organ- und Energie-Systemen entscheidend. So hat die enge Verbindung zwischen Leber- und Gallenblasen-Funktionskreis z.B. einen großen Einfluss auf die Entstehung des Symptoms Kopfschmerzen, was deutlich wird, wenn man sich den Verlauf des Gallenblasen-Meridians genauer anschaut.

 

Der Verlauf des Gallenblasen-Meridians

FormularendeDer Gallenblasen-Meridian beginnt am äußeren Augenwinkel, verläuft im Zickzack am Ohr vorbei über die Kopfseite zur Stirn und dann über den Scheitel zum Hinterkopf (siehe Abbildung) über den Nacken und weiter an der Seite des Körpers entlang bis zum 4. Zeh.

  

Symptom Kopfschmerzen

Mit dem Wissen über die Meridianverläufe kann die Lokalisation des Kopfschmerzes diagnostische Aussagen liefern, welches Organ-System ursächlich beteiligt ist. Bei Leber-bedingten Kopfschmerzen findet sich der Schmerz vor allem im Verlauf des Gallenblasen-Meridians, also am Scheitel und den Schläfen. Auch ein vom Nacken über den Hinterkopf hochziehender Kopfschmerz kann ursächlich von Störungen im Leber-/Gallenblasen-Funktionskreis hervorgerufen werden.

Die chinesische Betrachtung geht sogar noch weiter und bezieht neben der genauen Lokalisation auch die Intensität und die Art des Schmerzes für die Diagnose mit ein. So weisen heftige pulsierende Kopfschmerzen in der Schläfengegend auf eine „aufsteigende Leber-Energie“ hin bzw. zu dem, noch mit Hitze gekoppeltem, „Leber-Feuer“ hin. Während Kopfschmerzen mit Abgeschlagenheit eher auf "Leber-Blutmangel", ein stechender, bohrender Kopfschmerz einen "Leber-Blutstau" und drückende Schmerzen mit Anspannung und Verspannungen, vor allem im Nackenbereich auf eine „Leber Qi Stagnation“ hinweisen.

Die Behandlungsansätze für diese sehr unterschiedlichen Leber-Zustände sind laut TCM völlig unterschiedlich.

 

Behandlungs-Möglichkeiten

In der TCM kommen abhängig von der zugrundeliegenden Ursache unterschiedliche Therapieansätze zur Anwendung. Neben der Akupunktur, die die Meridian-Punkte behandelt, die den diagnostizierten Zustand ableiten, beruhigen, ausgleichen oder stärken, kommen helfende Kräuter oder auch Ernährungs- oder Handlungsempfehlungen zum Einsatz.

 

Aufsteigende Leber-Energie: Emotionale Labilität, pulsierende Kopfschmerzen im Schläfenbereich, Schwindel und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Anzeichen für aufsteigende Leber-Energie sein.

· Akupunktur: Punkte, die den Leber-Qi-Fluss harmonisieren und absteigende Energie fördern, wie z.B. Le3.

· Kräuter: Verwendung von beruhigenden Kräutern zur Entspannung der Leber-Energie, wie z.B. Pfefferminze oder Löwenzahn

Leber-Feuer: Ärger, erhöhte Reizbarkeit, rote Augen oder Gesicht, heftige Kopfschmerzen und Schlafstörungen können auf ein Übermaß an Leber-Feuer hinweisen.

· Akupunktur: Verwendung von Punkten, die das Leber-Feuer ableiten und kühlen, wie z.B. Le2.

· Ernährung: Integration kühlender Lebensmittel wie grünes Gemüse, Melonen und Zitrusfrüchte und Minze.

Leber-Blutmangel: Blasse Gesichtsfarbe, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerzen und Menstruationsstörungen können Anzeichen für Leber-Blutmangel sein.

· Akupunktur: Stimulierung von Punkten, die die Blutproduktion fördern und die Leber stärken, wie Le3 und Le8.

· Ernährung: Einbeziehung von eisenreichen Lebensmitteln wie Rindfleisch, Hülsenfrüchte, Spinat und Trockenfrüchte, um den Blutaufbau zu fördern.

· Kräuter: Brennnessel und Himbeerblätter sind reich an Mineralstoffen, wie Eisen und fördern den Blutaufbau.

Leber-Blutstau: Schmerzen im Oberbauch, Menstruationsbeschwerden, emotionale Belastung und Hautprobleme und stechende-bohrende Kopfschmerzen deuten möglicherweise auf Leber-Blutstau hin.

· Akupunktur: Verwendung von Punkten, die den Blutfluss fördern und Stagnation auflösen, wie Le3 und Le14.

· Kräuter: Schafgarbe und Eisenkraut fördern die Blutzirkulation und den Blutaufbau.

· Bewegung: Integration von sanften Übungen wie Qi Gong oder Spazieren gehen, die den Qi- und Blutfluss fördern.

Leber Qi Stagnation: Gefühle von Frustration, Anspannung, Nackenverspannungen, Bauchschmerzen, Reizdarmsyndrom und drückende Kopfschmerzen im Scheitelbereich könnten auf Leber Qi Stagnation hindeuten.

· Akupunktur: Anwendung von Punkten, um den Qi-Fluss zu regulieren und Stagnation aufzulösen, wie Le3 und Gb34.

· Kräuter: Verwendung von Kräutern, die das Qi bewegen und die Leber harmonisieren, wie Ingwer, Curcuma oder Schafgarbe.

· Bewegung: Sanfte Bewegungen wie Qi Gong oder Spazieren gehen, die den Qi-Fluss fördern.


Die hier beschriebenen Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten dienen ausschließlich der Information und sind nicht zur Selbstdiagnose und - behandlung gedacht und geeignet. Bei akuten oder chronischen Beschwerden sollte immer ein Fachmann zu Rate gezogen werden und sowohl Diagnose als auch Behandlungswege abzuklären.

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